Etwas mehr als ein Monat ist es her, als das Neue Jahr begonnen hat. Der Jahreswechsel eignet sich für viele besonders gut, um sich neue Vorsätze und Ziele für das kommende Jahr zu setzen. Gerne auch mal nach dem Motto «Neues Jahr, neues Glück». Doch nur mit Glück kommt man nicht weit. Das musste ich nach der kurzen Zeit im Neuen Jahr leider bereits feststellen.

Wer seine Ziele verwirklichen will, braucht mehr als nur gute Vorsätze und Glück. Doch was bedarf es, um nicht jedes Jahr wieder am gleichen Punkt zu stehen und sich wieder aufs Neue das Alte vorzunehmen?

Im Gespräch mit Marco Baumgartner bin ich der Antwort zu dieser Frage um einiges nähergekommen.

Marco absolvierte im Oktober 2018 den Crossing Atacama, ein Ultramarathon durch die Wüste bei über 50 °C. 250 km mit 10-13 kg am Rücken.

Nach einigen Ironman 70.3 Triathlons und sonstigen Ausdauerwettkämpfen, warst Du auf der Suche nach einer neuen Challenge. Wie kam es, dass Du dir diesen Ultramarathon zugetraut hast?

«Im Internet habe ich nach einigen aussergewöhnlichen Adventures gesucht und bin dann auf den 100 km Namib Desert Ultra-Marathon gestossen. Die Vorstellung, 100 km durch eine Wüste bei über 50 Grad zu laufen, hat mich sofort begeistert (www.100kmofnamibdesert.com). Obwohl ich vorher noch nie einen ganzen Marathon gelaufen bin, habe ich mich sofort angemeldet.»

Zwischen 100 km und 250 km besteht aber gleichwohl noch ein kleiner Unterschied?!

«Ja, das ist richtig, aber der 100 km-Lauf mit seinen vier Etappen (13 km / 21 km / 42 km / 27 km) war zwar teilweise ziemlich hart, jedoch hatte ich am Schluss das Gefühl noch länger laufen zu können – ich war im Ziel immer noch relativ frisch. Meine Füsse hatten praktisch keine Blasen und meine Gelenke waren soweit auch okay. Ich stellte mir somit die Frage, wie weit kann ich mich selber pushen? Wo setzt mir mein Körper das Limit? Andere Teilnehmer haben von der 4Deserts-Rennserie erzählt (www.4deserts.com) – welche vier Ultra-Marathons durch die schönsten Wüsten der Welt umfasst.

Schaffe ich es auch, mit einem 10-13 kg schweren Rucksack 250 km zu laufen? Ich musste es herausfinden und habe mich kaum zurück zu Hause für den Atacama Crossing Ultra-Marathon angemeldet!»

Meine Vorsätze sind nach nur wenigen Wochen gescheitert und ich habe mir nicht so ein hohes Ziel gesteckt… Wie konntest Du dich zu einer solchen Höchstleistung motivieren?

«Einerseits habe ich mir einen Trainingsplan gemacht, an welchen ich mich diszipliniert gehalten habe. Anderseits habe ich mir als Motivation oft die Videos des Veranstalters angesehen. Die Bilder waren phänomenal! Die Strecke führt durch Salzwüsten, schmale Canyons, Hochplateaus und über eiskaltes Wasser und Sanddünen. Ich wollte es mit meinen eigenen Augen sehen und erleben. Ich wusste, wenn ich diesen Lauf durchstehen möchte, muss ich hart und kontinuierlich trainieren. Andernfalls werde ich vorzeitig aufgeben müssen oder könnte mich verletzen.»

«Im Training habe ich oft den Zieleinlauf visualisiert und mir die Gefühle, die grosse Erleichterung und unbeschreibliche Freude vorgestellt. Es ist aber auch ein sehr motivierendes Gefühl, die konditionellen  Fortschritte zu sehen. Generell fühlte ich mich stärker und hatte im Alltag viel mehr Energie zur Verfügung.»

Falls ich mich für nächstes Jahr (oder vielleicht eher in 10 Jahren? 😉) entscheiden würde, dir gleich zu tun und diesen Ultramarathon bestreiten möchte, wie müsste ich vorgehen?

«Eine gute Grundkondition ist sicher eine wichtige Voraussetzung. Die Länge der Läufe muss über Wochen kontinuierlich gesteigert werden. Wichtig ist auch, sich an ein langsameres Lauftempo zu gewöhnen. Zusätzlich gilt es, den Körper an das Gewicht vom Rucksack zu gewöhnen.  Bei diesen Läufen muss man sämtliche Verpflegung, Schlafsack und die Kleider im Rucksack mittragen. Beim Start beträgt das Gewicht über 10 kg. Im Training wird das Gewicht von Woche zu Woche stetig gesteigert.

Ein typischer Wochenplan hat etwa so ausgesehen: Montag Ruhetag, Dienstag – Donnerstag jeweils ca. 14-16 km. Am Freitag ein Intervall-Training, um die Muskulatur für die langen Läufe am Wochenende schon vorab zu ermüden und weitere Trainingstage zu simulieren. Diese sogenannten Longruns waren jeweils zwischen 28-35 km. So wurde die wöchentliche Laufdistanz langsam auf über 100 km gesteigert, um so die Verletzung von Gelenken und Sehnen zu vermeiden.

Selbstverständlich gehört auch eine ausgewogene Ernährung zu einer guten Vorbereitung. Auf Alkohol sollte auch verzichtet werden.»

Planung und die richtige Vorbereitung scheinen sehr wichtige Bestandteile, auf dem Weg zum Ziel zu sein.
Zum Schluss nimmt es mich natürlich noch wunder, was denn für dieses Jahr geplant ist? 😊

Im Mai werde ich an einem 200 km Lauf durch Bhutan starten. Die weiteren Pläne stehen noch nicht definitiv fest. Im Herbst beginne ich mit dem Training, um im Februar 2020 an einem 250 km-Lauf durch Lappland teilzunehmen. Das Besondere nebst der ungewohnten Kälte an diesem Lauf ist, dass jeder Teilnehmer die gesamte Ausrüstung inklusive Zelt auf einem Schlitten hinter sich herziehen muss. Mal sehen, wie dies im Training geübt werden kann 😊.

Herzlichen Dank für diese spannende Antworten und den Einblick, was es bedarf langfristig durchzuhalten, sei es in der Vorbereitung wie auch im Rennen! Um meine nächsten Ziele und Vorsätze erfüllen zu können, werde ich wohl etwas besser Planen und Vorbereiten müssen 😊
Dir wünschen wir auf jeden Fall jetzt schon eine gute Vorbereitung und nur das Beste für Deine Vorhaben!

somewhere inside you know what kind of person you were designed to be. I am a runner