Gelenkschmerzen

Viele Läufer sind mit ihm vertraut, einem Schmerz im Bereich der Kniescheibe, der sich mit zunehmender Laufdauer verstärkt und den Betroffenen oftmals zu einem frühzeitigen Abbruch des Laufes zwingt. Dieses Beschwerdebild wird Patellofemorales Schmerzsyndrom (PFSS), oder auch Läuferknie genannt und ihm liegen verschiedene Ursachen zugrunde.

Anatomie

Das Knie setzt sich aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Unterschenkelknochen (Tibia) und der Kniescheibe (Patella) zusammen. Diese bilden zwei Gelenke, das patellofemorale Gelenk, zwischen Oberschenkel und Kniescheibe und das femorotibiale Gelenk, zwischen Ober- und Unterschenkel.

Verschiedene Muskeln, Sehnen und Bänder sind für die Stabilisierung des Knies verantwortlich. Einer dieser Muskeln ist der vordere Oberschenkelmuskel, auch Quadriceps genannt. Der Quadriceps besteht aus vier verschiedenen Köpfen, den drei Vastii (lateralis, medialis und intermedius) und dem Rectus femoris. Der Rectus femoris geht in die Quadrizepssehne über, welche ihrerseits an der Kniescheibe ansetzt.

Abbildung: Anatomie Knie
(Quelle: www.flspinalcord.us)

Abbildung: Biomechanische Zusammenhänge
(Vorlesungsunterlagen Bewegungs- & Sportbiomechanik HS17, ETH Zürich (Taylor BW, List R., Lorenzetti))

 

Beschreibung PFSS

Obwohl die Entstehung des PFSS mehrere Ursachen hat, scheint es durch eine Fehlstellung der Kniescheibe und dem Oberschenkelknochen und die dadurch entstehende Mehrbelastung der Kniescheibe begünstigt zu werden. Viele Studien deuten darauf hin, dass durch eine muskuläre Dysbalance des Vastus lateralis und medialis die Kniescheibe zu einer Seite stärker hingezogen wird und es so zu Beschwerden führt. Besonders häufig wurde eine Schwäche des Vastus medialis und eine daraus resultierende Verschiebung der Patella nach aussen nachgewiesen.

Daneben gibt es aber noch weitere Faktoren, welche einen potenziellen Einfluss auf die Bildung eines PFSS haben, wie zum Beispiel eine Fehlposition der Tuberositas tibiae. Die Tuberositas tibiae ist ein rauer Knochenfortsatz am oberen Ende der vorderen Schienbeinkante und Ansatzpunkt der Patellasehne.

Bei einer Fehlposition dieses Ansatzpunktes ist die Kniescheibe nicht mehr gerade über dem Knie ausgerichtet, was zu Beschwerden führen kann. Ähnlich verhält es sich mit einer «Patella alta», bei welcher die Kniescheibe nach oben verschoben ist. Des Weiteren können ein vergrösserter Q-Winkel (X-Beine), schwache Hüftabduktoren (Gluteus medius und minimus) oder ein übermässiges Einknicken des Sprunggelenks (Hyperpronation) ein PFSS begünstigen. Das Einknicken des Fusses bei der Hyperpronation führt zu einer Innenrotation des Unter- und Oberschenkels, und dadurch zu einem erhöhten Zug in der Kniescheibe.

Die Idee, dass die Hyperpronation das Knie beeinflusst, wird Bottom-Up Prinzip genannt (Fuss beeinflusst Knie). Daneben gibt es aber auch das Top-Down Prinzip (Hüfte beeinflusst Knie), welches den Fokus auf die Hüftmuskulatur legt. Dabei wird angenommen, dass Personen mit einem PFSS eine verzögerte, verkürzte oder geschwächte Aktivierung der Gesässmuskulatur (v.a. Gluteus medius) aufweisen. Dies führt ebenfalls zu einer Innenrotation des Ober- und Unterschenkels und einer erhöhten Belastung des patellofemoralen Gelenks.

Therapie

Mögliche Therapieansätze sind:

  • Einlagenversorgung
  • Trainingsreduktion
  • Kräftigung des Quadriceps v.a. des Vastus medialis
  • Kräftigung der Hüftabduktoren und Aussenrotatoren v.a. Gluteus medius und minimus
  • Dehnung (je nach Beweglichkeitsstand)
  • Laufstilveränderung

Exkurs Laufstil

Im Bereich der Laufstilveränderung wird eine Erhöhung der Schrittfrequenz und dadurch eine Verkürzung der Schritte empfohlen. Denn durch das nähere Aufsetzen des Fusses unter dem Körperschwerpunkt reduziert sich die Belastung im patellofemoralen Gelenk. Die Sensibilisierung zu einer Veränderung des Aktivitätsumfangs respektive Trainingsumfangs des Patienten ist von grosser Wichtigkeit.

Laufstiloptimierung

Für Laufstiloptimierungen haben wir Laufstilexperten welche mit Ihnen Ihren Laufstil analysieren, Tipps zur Optimierung geben sowie Übungen und an Ihren Defiziten zu arbeiten. Profitieren Sie von unserer Laufstilanalyse, um Ihren Laufstil gesünder und ründer zu gestalten.

Weitere Informationen zu unseren Laufstilanalysen finden Sie HIER

Einlagenversorgung

Ahlhelm und Alfuth untersuchten in einer Literaturanalyse den Einfluss von Schuheinlagen auf das patellofemorale Schmerzsyndrom. Sie schlussfolgerten, dass Schuheinlagen ein gutes Hilfsmittel in der Therapie von PFSS sind. In den meisten Studien wurde beschreiben, dass die Schmerzen mittels Einlagen kurz- oder langfristig reduziert werden konnten. Eine Veränderung der Kinematik und Muskelaktivierung konnte nicht erreicht werden.

Insbesondere gegen das übermässige Einknicken des Sprunggelenks (Hyperpronation und Eversion) kann mit Einlagen gezielt entgegengewirkt werden. Dadurch wird die Innenrotation des Unter- und Oberschenkels verhindert, was zur Entlastung der Patella führt.

Aus diesen Ergebnissen kann geschlossen werden, dass die Kombination aus Einlagenversorgung auf der passiven und Krafttraining auf der aktiven Seite eine sehr gute Möglichkeit darstellen, das PFSS zu behandeln.

Laufanalyse 3D

Unsere Laufanalyse 3D ist optimal, um die Rotationskräfte zu messen und zu eruieren von wo Ihre Knieschmerzen beim Rennen genau kommen. Diesbezüglich bekommen Sie spannende und abwechslungsreiche Trainingstipps, kostenlose Beratung zum richtigen Laufschuh. Die Laufanalyse 3D umfasst alles rund um Ihren Laufstil, Beschwerdenbehebung und ist die Basis für Ihre Mass-Laufeinlage.

Weitere Informationen für die Laufanalyse 3D finden Sie HIER

Begriffe

Medial zur Mitte hin
Lateral Zur Seite hin
Kranial In Richtung Kopfes
Kaudal In die Richtung Steiss
Anterior Nach vorne, vordere(r)
Posterior Nach hinten, hintere(r)
Plantar Auf der Seite der Fusssohle
Adduktion Heranführen eines Körperteils
Abduktion Wegführen eines Körperteils (abspreizen)
Eversion Fuss wird nach aussen gedreht
Inversion Fuss wird nach innen gedreht
Pronation Sohle, Handfläche wird nach aussen gewendet
Supination Sohle, Handfläche wird nach innen gewendet
Valgusstellung Nach innen geneigte Winkelstellung eines Gelenks (z.B. X-Beine)