Gesunder Schlaf

Wie Schlaf das Immunsystem stärkt

Auf dem Markt gibt es hunderte verschiedene Präparate, die das Immunsystem stärken sollen. Wir erklären Ihnen wie die altbekannte Medizin «Schlaf» Ihr Immunsystem positiv beeinflussen kann und was genau die T-Zellen damit zu tun haben. Und wussten Sie, dass schon drei Stunden Schlafmangel Ihre Immunfunktion beeinträchtigen können?

 

«Schlaf ist die beste Medizin», denn er hat massgeblichen Einfluss auf verschiedene Systeme in unserem Körper. Über den Zusammenhang zwischen Schlaf und dem Immunsystem ist wenig bekannt. Neuere wissenschaftliche Studien zeigen jedoch eine enge Wechselwirkung auf. So kann Schlaf den angeborenen und adaptiven Teil des körpereigenen Immunsystems positiv wie auch negativ beeinflussen, und umgekehrt.

Grippezeit – Hilft uns ein gesunder Schlaf?

Die Stimulation des Immunsystems durch eine bakterielle oder virale Infektion löst eine Entzündungsreaktion aus, welche abhängig von der Stärke und dem zeitlichen Verlauf die Schlafdauer und -intensität verändern kann. Im Gegenzug fördert die Erhöhung der Schlafqualität während einer Infektion die körpereigene Abwehrreaktion. Tatsächlich beeinflusst der Schlaf diverse Immunparameter, er wird assoziiert mit einem tieferen Infektionsrisiko und kann den Verlauf einer Infektionskrankheit oder einer Impfantwort positiv verbessern.

Kürzlich konnte in einer wissenschaftlichen Studie gezeigt werden, dass eine reduzierte Schlafzeit unter der Woche das Erkältungsrisiko erhöht. Die Forscher verabreichten dabei 153 Proband:innen Nasentropfen mit Erkältungsviren und überwachten die durchschnittliche Schlafdauer.

Das Ergebnis ist erstaunlich: In der Gruppe der Menschen, die weniger als sieben Stunden schliefen, waren daraufhin dreimal mehr Personen erkältet als im Vergleich zur Gruppe mit mindestens acht Stunden Schlaf (Cohen et al. 2009).

Chronotyp

Bild: freepik.com/katemangostar

Ein gesunder Schlaf hat nicht nur einen positiven Einfluss auf die Gripperesistenz, sondern kann auch das Risiko für chronische Krankheiten reduzieren. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass fortdauernder Schlafmangel (z.B. durch eine kürzere Schlafdauer oder Schlafstörungen) zu chronischen Entzündungen auf einem tiefen Level führen kann, welche mit diversen Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes Typ II, kardiovaskulären Erkrankungen, einigen Formen von Krebs, Atherosklerose oder neurodegenerativen Krankheiten assoziiert werden (Cevenini et. al. 2013).

Wie funktioniert das Immunsystem und welche Rolle spielt der zirkadiane Rhythmus dabei?

Ein zugrundeliegender Mechanismus für die immun-unterstützenden Effekte des Schlafs ist die Produktion von Hormonen und Zellen, welche die Immunfunktion ankurbeln und stärken.

Die sogenannten T-Zellen gehören zu den Hauptspielern des Immunsystems. Sie erkennen die von Krankheitserregern befallene Zellen und aktivieren Haft-Proteine (Integrine), mit denen Sie ihr Ziel kontrollieren und vernichten können.

Der Schlaf sorgt für einen Gleichgewichtszustand der Entzündungswerte durch den Einsatz von Immunmediatoren, sogenannten Zytokinen. Viele Immunparameter im menschlichen Blut zeigen eine systematische Fluktuation über 24 Stunden zirkulierende naive T-Zellen und die Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen (z.B. Interleukin-12). Diese erreichen in der Nacht ihren Höchststand. Während die Leukozyten und entzündungshemmende Zytokine (z.B. Interleukin-10) am Tag überwiegen.

Wieso genau sind die Haftproteine der T-Zellen vor allem nachts aktiv?

T-Zellen

Bild: Juan Gärtner

Weil tagsüber und bei Schlafentzug Hormone wie Adrenalin und Prostaglandin ihre Aktivierung stark vermindern. Diese beeinflussen wichtige Schalter auf den T-Zellen, sogenannte Rezeptoren, sodass die Integrine tagsüber unterdrückt werden. Diese zeitlichen Veränderungen sind eine Folge des zirkadianen Rhythmus. So fördert die Hormonkonstellation während des Schlafens die Ausbildung des erworbenen Immunsystems und die Immungedächtnisbildung.

Was schon 3 Stunden Schlafmangel ausmachen können

In einer wissenschaftlichen Studie wurde das Blut von zehn Frauen und fünf Männern tagsüber, nachts und auch während einer Nacht mit Schlafentzug untersucht. Man sah, dass das Blut von Schlafenden um zwei Uhr nachts eine hohe Menge an aktivierten Integrinen enthielt, mit denen T-Zellen die befallenen Zellen bekämpfen. Das Blut, welches um dieselbe Uhrzeit bei Schlafentzug entnommen wurde, enthielt deutlich weniger aktivierte Integrine. Bereits drei Stunden Schlafmangel können demnach die Immunfunktion beeinträchtigen. (Besedovsky et. al. 2016; Lange et al. 2010)

Ein gesunder Schlaf ist also nicht nur für die Erholung essenziell, sondern er spielt auch eine wichtige Rolle in der Körperabwehr. Gerade jetzt in der Grippezeit ist es umso wichtiger, sich um seinen erholsamen Schlaf zu kümmern.

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Blogbeitrag von Patrick Arnet, Bewegungswissenschaftler und Verantwortlicher im Bereich Rücken- und Liegeanalyse.
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Quellen:

Cohen, S., W.J. Doyle, C.M. Alper, e t al . 2009. Sleep habits and susceptibility to the common cold. Arch. Intern. Med. 169: 62–67.

Besedovsky L, Dimitrov S, Born J, Lange T. Nocturnal sleep uniformly reduces numbers of different T-cell subsets in the blood of healthy men. Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol. 2016 Oct 1;311(4):R637-R642. doi: 10.1152/ajpregu.00149.2016. Epub 2016 Jul 27. PMID: 27465732.

Lange T, Dimitrov S, Born J. Effects of sleep and circadian rhythm on the human mmune system. Ann N Y Acad Sci. 2010 Apr;1193:48-59. doi: 10.1111/j.1749-6632.2009.05300.x. PMID: 20398008.

Cevenini, Elisaa,b,*; Monti, Danielac,*; Franceschi, Claudioa,b Inflamm-ageing, Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care: January 2013 – Volume 16 – Issue 1 – p 14-20 doi: 10.1097/MCO.0b013e32835ada13

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